Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt ein schweres Erdbeben passiert, stellen sich die Dominikaner aufs Neue die Frage: Sind unsere Gebäude wirklich sicher?
Die Antwort hängt nicht allein davon ab, wie sie entworfen oder gebaut wurden. Sie hängt auch davon ab, wie sie im Laufe der Jahre gewartet, modifiziert und evaluiert wurden.
Eine Tatsache, die selten Gegenstand der öffentlichen Debatte ist: Gebäude bleiben während ihrer gesamten Nutzungsdauer nicht unverändert.
Die Bauwerke sind ständig der Bodendynamik, wechselnden Belastungen, der natürlichen Alterung der Materialien, Umbauten, Erweiterungen, Leckagen, Korrosion und natürlich der für die Dominikanische Republik typischen seismischen Aktivität ausgesetzt.
Unser Land liegt in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko und in einem der aktivsten Gebiete der Karibik, über der karibischen und der nordamerikanischen tektonischen Platte. Die Wechselwirkung zwischen diesen Platten führt dazu, dass Erdbeben ein ständiges Risiko und kein außergewöhnliches Ereignis darstellen.
Diese Realität erfordert eine Kultur der Prävention. Sie beginnt bereits in der Planungsphase, in der Risiken antizipiert werden müssen.
Die Sicherheit eines Gebäudes wird nicht vorausgesetzt; sie muss während der Bauprozesse gewährleistet werden, und eine effektive technische Überwachung ist entscheidend für die Kontrolle der Einhaltung der Vorschriften während der Bauausführung.
Inspektionen, Tests, Leistungstests, Qualitätskontrollen, technische Aufzeichnungen und andere in jeder Arbeitsphase erforderliche Protokolle sind Teil der Dokumentation, die bestätigt, dass die Konstruktion korrekt umgesetzt wurde und die Arbeiten den regulatorischen Anforderungen effektiv entsprechen.
Es ist außerdem unerlässlich, ein nationales (dauerhaftes) Programm zur Bewertung bestehender Gebäude zu fördern, insbesondere solcher, die vor dem Inkrafttreten der modernsten Erdbebenvorschriften (Jahr 2011 – Verordnung R-001) errichtet wurden oder deren baulicher Zustand noch nie von Fachleuten überprüft wurde.
Diese Verantwortung sollte jedoch nicht ausschließlich beim Staat liegen. Der Staat regelt zwar, aber die Einhaltung der Vorschriften ist auch die Verantwortung von Eigentümern, Verwaltern und Nutzern.
Die Hausverwaltungen von Eigentumswohnungen spielen eine grundlegende Rolle beim Schutz der Hunderten von Familien, die in den Gebäuden leben.
So wie Wartungsarbeiten an Aufzügen, Kraftwerken, Wasserpumpen oder Brandschutzsystemen durchgeführt werden, sollte verantwortungsvolles Management auch die regelmäßige Beauftragung von Strukturanalysen umfassen, um den tatsächlichen Zustand des Gebäudes zu ermitteln.
Ziel ist es nicht, Panik zu verbreiten, sondern Risiken zu managen, um sie vorherzusehen.
Eine Strukturanalyse ermöglicht die rechtzeitige Erkennung potenzieller Schwachstellen, die Festlegung von Interventionsprioritäten, die Planung von Verstärkungen, falls erforderlich, und vor allem die Entwicklung von Notfallplänen auf der Grundlage technischer Informationen und nicht auf Annahmen.
Die bauliche Sicherheit darf nicht als dauerhafter und unveränderlicher Zustand betrachtet werden. Sie ist vielmehr als kontinuierlicher Prozess der Überprüfung, Instandhaltung und Verbesserung zu verstehen. Gebäude erfordern ein ständiges Engagement im Umgang mit der Bodendynamik und den natürlichen Phänomenen, die unweigerlich weiterhin auftreten werden.
Die beste Investition, die eine Hausbesitzervereinigung tätigen kann, ist nicht immer eine ästhetische Renovierung; oft ist es die Gewissheit, dass das Gebäude, das ihr Leben und das Leben der Bewohner schützt, sicher ist.
Die Widerstandsfähigkeit unserer Städte entsteht nicht allein durch den Bau neuer Gebäude. Sie wird auch gestärkt durch die verantwortungsvolle Pflege und Bewertung der bereits bestehenden Gebäude.
Es wäre zu spät, auf ein schweres Erdbeben zu warten, um die Schwachstellen einzelner Gebäude aufzudecken. Vorbeugung ist immer günstiger als Wiederaufbau und vor allem unendlich viel wertvoller, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.
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