Bei Regen wird der „Schokoladenmodus“ aktiviert, der extrem ansteckend ist und nicht allein auftritt; er wird von der gefährlichsten aller Gelüste begleitet: Wasserbrot mit Butter.
SANTO DOMINGO – In diesem Land sind die Nächte nach Regenfällen erfüllt vom Duft von Gewürzen, Nostalgie und behaglicher Wärme. Nicht nur die Bürgersteige werden nass: Erinnerungen erwachen, und dieser Duft dringt durch die Ritzen der Häuser, über die Terrassen und steigt durch die Fenster. Da sich diese Aromen nicht eindämmen lassen, teilen sie sich einfach.
Fast überall liegt der Duft von Schokolade in der Luft, von alten Erinnerungen, die Nostalgie und Kindheitserinnerungen wecken. Und wir versuchen zu erraten, welche Gewürze die einzelnen Personen hinzugefügt haben, da die Rezepte je nach Koch und Herkunft variieren.
„Mit Wasser oder mit Milch – guten Appetit!“, hieß es in der Werbung, und so sind wir aufgewachsen: Wir wussten, dass es in beiden Varianten köstlich schmeckt und zum Beisammensein einlädt – sei es zum Hühnchenessen, zum Entspannen im Schaukelstuhl, um dem Regen zuzusehen, oder zum Lesen eines Gedichtbandes. Benedettis „Inventar“ zum Beispiel.
Mit oder ohne Piment, mit oder ohne Muskatnuss, mit oder ohne Nelken, aber immer mit Zimt.
Manche Leute sind wagemutig und fügen Sternanis oder Kardamom hinzu, wie raffiniert!.
Das Wichtigste ist eine Prise Salz. Nicht mehr, nicht weniger. Genau die richtige Prise, und meine Großmutter hatte dieses Maß perfekt im Griff – mit denselben Händen, mit denen sie den Schneebesen hielt und in einer fast übernatürlichen Bewegung den reichhaltigen Schaum erzeugte. Und sie gab nie Zucker hinzu. Ich auch nicht.
Wenn diese unausgesprochene Ankündigung durch die Luft geht, schaltet der „Schokoladenmodus“ ein – hochansteckend und nicht allein; er kommt in Begleitung des gefährlich verlockenden Butterbrots. Wenn keins da ist, erfindet man es einfach, und wie köstlich ist es doch, es in die Tasse zu tunken und dem Dampf zuzusehen!.
Erinnerung und Kultur
Dieser Aspekt unserer Kultur verbindet die Sehnsucht nach Wärme mit wertvollen Erinnerungen. Seit Generationen steht heiße Schokolade für seelischen Trost, denn Großmütter bereiteten sie an trüben Tagen zu und machten sie so zu einem Ritual der Besinnung und Fürsorge.
Diese sonnenlosen Tage mit Regengüssen oder vereinzelten Schauern sind der Auftakt zu einem Sonnenuntergang oder einer Nacht, die vom Duft von Gewürzen, herzlicher Gesellschaft oder wohltuender Lektüre erfüllt ist.
Einen Topf mit dickem Boden mit Wasser, einer Prise Salz und den ausgewählten Gewürzen auf hoher Stufe erhitzen. Die Gewürze nacheinander, beginnend mit dem Zimt, hinzufügen. Sobald das Wasser zu köcheln beginnt, die zerstoßenen Schokoladentafeln dazugeben und die Hitze reduzieren. Nun die Schokolade durch die Hitze und die Aromen schmelzen lassen.
Hier verrate ich einen meiner Tricks: Sobald sich etwas Schaum bildet, der fast aus dem Topf quillt, wie jemand, der vorsichtig einen Brief unterschreibt, gebe ich einen Schuss Mandelessenz und einen Schuss goldenen Rum hinzu. Der Dampf verwandelt sich in ein duftendes Aroma, und die Küche wird zu einem Ort der Ruhe. Ich schlage wie verrückt mit einem Schneebesen – die alten sieht man ja kaum noch. Das war das Geheimnis meiner Großmutter: so lange schlagen, bis der Schaum eine Wolke bildet, dann vom Herd nehmen.
Ob in einer Tasse, einem kleinen Becher oder einer Schüssel – die heiße Schokolade wärmt Ihre Hände, Ihre Seele und sogar Ihre Gedanken. Ob allein oder in Gesellschaft, diese Tasse umfängt Sie ganz unkompliziert: einfach das Ritual, sich hinzusetzen, dem Regen zuzusehen und dem Duft der heißen Schokolade zu lauschen.
Dieses Rezept soll nicht beeindrucken, sondern einfach nur den Abend begleiten. Es ist ein Getränk, das nach Kindheit, nach Landleben und nach entspannten Gesprächen schmeckt. Und wenn die Nachbarschaft nach Schokolade duftet, weiß jeder, dass es ein schöner Abend wird.
Interessanterweise stammt Kakao zwar ursprünglich aus Amerika und wurde von den mesoamerikanischen Völkern angebaut und verehrt, doch erst in Spanien fand die heiße Schokolade ihre dickflüssige und zeremonielle Form.
Die Konquistadoren brachten Kakao in die Alte Welt, wo er zu einem wohltuenden und festlichen Wintergetränk wurde. Heute ist heiße Schokolade sowohl in Santo Domingo als auch in Madrid – wobei sie in Madrid eine cremige Konsistenz aufweist – nach wie vor ein Symbol für Wärme, Entspannung und gemeinsame Erinnerungen.




