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Ein Brief an die Heiligen Drei Könige

SANTO DOMINGO. – Ich bin ein siebenjähriges Mädchen aus der Dominikanischen Republik. Dieses Jahr habe ich mich gut benommen… naja, fast immer. Ich habe mich nur zweimal in der Schule geprügelt, aber da haben sie mir an den Haargummis gezogen, also zählt das nicht, oder?

Du weißt ja schon, warum ich dir schreibe. Ich wünsche mir das Buch „Little Women“, ein Tablet und außerdem eines der BTS-Alben. Sie sind meine Lieblings-K-Pop-Gruppe, und ich hätte gern „Permission to Dance“. Die Lieder sind so fröhlich. Es macht nichts, dass ich sie nicht verstehe; ich kann die Texte ja nachschlagen. Die Tänze kenne ich sogar schon.

Während ich dies schreibe, kam meine Mutter vorbei, um mir zu erzählen, wie der Dreikönigstag früher war. Sie sagte, die Kinder hätten Briefe unter dem Bett hinterlassen, frisches Gras für die Kamele bereitgestellt, Wasser in kleinen Krügen, Erfrischungsgetränke und manchmal auch Zigaretten.

Ich stelle ihnen Wasser hin, keine Limo, weil meine Mutter sagt, die sei ungesund. Und ich glaube nicht, dass ich Gras finden werde, weil da nicht mal welche auf dem Parkplatz wachsen. Ich frage meinen Vater, ob er mir auf dem Weg welches mitbringen kann.

Meine Mutter erzählte mir, dass im Morgengrauen die Hupen und Pfeifen die ganze Nachbarschaft aufweckten und dass Jungen und Mädchen verwirrt waren und stolz ihre neuen Fahrräder, weinenden Puppen, Kreisel mit Glühbirnen und Maschinengewehre mit Lichtern präsentierten.

So wurde der Dreikönigstag gefeiert. (Bild erstellt mit KI).

So war es in jeder Nachbarschaft; sie hatten nicht einmal Hunger. Sobald sie aufwachten, suchten sie unter dem Bett, hinter Türen und gingen auf die Straße, um ihre Geschenke zu präsentieren. Wenn man das heute tut, werden die Nachbarn wütend und schreien einen an, man solle still sein. Man kann den Dreikönigstag definitiv nicht mehr so ​​feiern wie früher.

Die Straßen blühten, erzählte mir meine Mutter, inmitten des Konzerts aus Lachen und Spielzeug, obwohl es auch Streitereien gab, wenn jemand das Spielzeug eines anderen kaputt machte.         

Da es bei mir kein Gras gibt, lasse ich dir einen kleinen Keks und eine Tasse Milch da. Ich frage meinen Vater nach einem Getränk für dich und einer kleinen Flasche Wasser für die Kamele. Ich weiß nicht, ob es dir schmeckt, aber das ist mir als Erstes eingefallen.

Als meine Mutter mir das erzählte, traten ihr die Tränen in die Augen. Sie sagte, alles sei so anders gewesen, als sie Kind war. Sie hätten den ganzen Tag „Trucano“ und „Flor y Convento“ gespielt, danach Karten und Mensch ärgere Dich nicht. Sie erzählte mir, dass mittags kein einziges vollständiges Spiel mehr übrig war, die Puppen völlig zerzaust waren und die Gummibänder der Tischtennisbälle am Nachmittag bestimmt 15 Knoten hatten.

Sie hat mich überredet, ihnen zu schreiben, aber ich habe stattdessen ihren Brief an den Weihnachtsmann geschrieben, der mir dann Parfüm gebracht hat. Echt jetzt, Parfüm? Ich hatte mir doch meine CD und mein Tablet gewünscht! Also vertraue ich dir, auch wenn meine Freundin Maite behauptet, die Heiligen Drei Könige gäbe es nicht. Ich glaube meiner Mutter.

Du kannst dir nicht vorstellen, wie aufgeregt sie war, als sie mir erzählte, dass an diesem Tag niemand aufstehen sollte. Dass um sechs Uhr morgens das Herumrennen und Türenöffnen und -schließen beginnen würde, auf der Suche nach den Geschenken, die ihr alle versteckt hattet. Das klang nach einem Riesenspaß.

Es ist nicht so, dass ich mich jetzt nicht freue, aber was der Weihnachtsmann einem bringt, das gibt es ja eigentlich nicht, das weiß man vorher und man findet es immer unter dem kleinen Baum am Weihnachtstag, nach Heiligabend.

Weißt du, es ist schön, Geschenke zu bekommen, und mir hat sehr gefallen, was meine Mama gesagt hat. Ich würde so gerne morgens draußen spielen und mit meinen Freunden spielen, aber wir müssen uns damit begnügen, auf dem Balkon zu sitzen und sie von dort aus zu zeigen. Vielleicht lädt mich ja einer meiner Freunde ein, aber nur kurz und ganz leise.

Ich wünschte, der Dreikönigstag würde nicht unbemerkt vorübergehen. Ich wünschte, die Tradition, von der meine Mutter mir erzählt hat, würde wieder aufleben. Deshalb schreibe ich dir diesen Brief, so wie es die Kinder früher taten. Ja, das ist mein letzter Wunsch: dass die Straßen, wenn möglich, wieder mit Freude erfüllt sein mögen, genau wie zu Mutters Zeiten.

In Liebe,

Alejandra, ein dominikanisches Mädchen, das immer noch an dich glaubt.

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Solangel Valdez
Solangel Valdez
Journalistin, Fotografin und PR-Spezialistin. Ambitionierte Schriftstellerin, Leserin, Köchin und Weltenbummlerin.
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