Von Melchor Alcántara Damir
Exklusiv für El Inmobiliario
Die Bauwirtschaft durchlebt eine ihrer schwierigsten Phasen der letzten Jahre. Die jüngsten vom Ministerium für Wohnungsbau und Bauwesen (MIVED) angeordneten Projektstilllegungen haben in der gesamten Branche Alarm ausgelöst. Innerhalb weniger Tage wurden 15 Bauprojekte ohne Vorwarnung gestoppt, oft durch die einseitige Entscheidung eines Prüfers, ohne den Unternehmen das grundlegende Recht einzuräumen, den Fehler zu korrigieren, ihre Argumente vorzubringen oder gegen die Maßnahme Berufung einzulegen.
Diese Praxis ist besorgniserregend, da sie Unternehmen völlig schutzlos zurücklässt und ein Klima der Rechtsunsicherheit schafft, das Investitionen entgegensteht. Kein produktiver Sektor kann überleben, wenn ihm klare Rechtsbehelfsmechanismen fehlen und er dem Risiko ausgesetzt ist, dass Bauprojekte mit allen damit verbundenen Investitionen und Arbeitsplätzen ohne Vorwarnung gestoppt werden.
Dieses regulatorische Umfeld wird durch eine Finanzlage verschärft, die die Branche schwer belastet. Die Regierung hat bereits zwei große Auszahlungen aus den gesetzlichen Reserven vorgenommen, die jüngste in Höhe von 81 Milliarden Pesos. Diese Mittel haben jedoch keine Entlastung für den Sektor gebracht, da die Zinssätze für Hypotheken und Projektfinanzierungen weiterhin bei fast 20 % liegen.
Wie lässt sich erklären, dass Gelder, die Privatbanken kostenlos zur Verfügung gestellt werden, für Familien und Bauträger letztendlich zu unerschwinglichen Krediten werden? Die Antwort liegt auf der Hand: Es fehlt an einem geeigneten System zur Mittelvergabe. Wenn es darum geht, den Wohnungsbau anzukurbeln und den Zugang zu Wohnraum zu erweitern, sollten diese Ressourcen direkt über staatliche Banken mit wirklich erschwinglichen, einstelligen Zinssätzen fließen. Das wäre ein echter Wandel.
Das Problem reicht jedoch über die Kreditvergabe hinaus. Die Grundlage für Bauprojekte ist makroökonomische Stabilität, und die Lage in diesem Bereich ist zunehmend besorgniserregend. Die Landeswährung hat rapide abgewertet und ist innerhalb weniger Monate von 58 auf 64 Pesos pro Dollar gefallen. Das Haushaltsdefizit wächst ungebremst, während der Staatshaushalt durch laufende Ausgaben aufgebraucht wird. Als Lösung wird eine mögliche Steuerreform vorgeschlagen, die zumindest in ihrer Anfangsphase eine Rezession auslösen würde. Diese Kombination untergräbt das Vertrauen, treibt die Kosten für Baumaterialien in die Höhe und behindert die Planung neuer Projekte.
Hinzu kommt eine internationale Herausforderung, die oft übersehen wird: der Wettbewerb mit anderen Immobilienmärkten. Seit Jahren wird ein Großteil der dominikanischen Immobilienverkäufe im Ausland abgewickelt. Allerdings stehen uns immer weniger Mittel zur Verfügung, um mit attraktiven Standorten zu konkurrieren, die moderne Strategien zur Investorengewinnung eingeführt haben.
Ein gutes Beispiel dafür ist der US-Bundesstaat Florida, wo Gouverneur Ron DeSantis die Grund- und Mietsteuern abgeschafft und damit ein äußerst wettbewerbsintensives Umfeld geschaffen hat. Auch andere internationale Märkte bieten extrem niedrige Zinsen für Immobilieninvestoren. Statistiken zufolge tendiert ein Großteil dieser Investoren zwar grundsätzlich zu Investitionen in der Dominikanischen Republik, entscheidet sich aber aufgrund der dortigen Wettbewerbsvorteile letztendlich für andere Destinationen.
Das Baugewerbe ist einer der wichtigsten Motoren der dominikanischen Wirtschaft. Kein anderer Sektor kurbelt die Wirtschaft so stark an wie dieser. Er schafft Arbeitsplätze, fördert den Wohnungsbau, belebt zahlreiche Produktionsketten und stellt die Infrastruktur für die Entwicklung des Landes bereit. In jüngster Zeit hat er sich sogar zu einem wichtigen Devisenbringer entwickelt. Allerdings kann keine Branche in einem Umfeld willkürlicher Regulierungen, unzugänglicher Finanzierungsmöglichkeiten, makroökonomischer Instabilität und eines Wettbewerbsnachteils gegenüber Märkten mit strategischeren Richtlinien überleben.
Das Nationale Observatorium der Bauindustrie (ONIC) appelliert an die Behörden, ihren Kurs zu überdenken und zu korrigieren. Notwendig sind ein fairer und berechenbarer Regulierungsrahmen, ein funktionierendes Finanzierungssystem und eine Wirtschaftspolitik, die Stabilität und internationale Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet. Nur so können wir den Sektor stärken, der weit mehr als Ziegel und Stahl für den Fortschritt der Dominikanischen Republik leistet.
Der Autor ist Präsident des Nationalen Observatoriums der Bauindustrie (ONIC).
Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen liegen in der alleinigen Verantwortung des Autors.




