Der Bau des neuen Terminals am internationalen Flughafen Las Américas (AILA), der im August 2025 mit einer Investition von rund 250 Millionen US-Dollar, sollte im Laufe des Jahres 2026 sichtbare Fortschritte zeigen, um die geplante Fertigstellung im Jahr 2028 zu gewährleisten. Mehrere Monate nach dem Spatenstich haben die Hauptbauarbeiten jedoch noch nicht offiziell begonnen. Diese Situation veranlasste die dominikanische Regierung, eine diplomatische Beschwerde bei der französischen Botschaft einzureichen und vor möglichen rechtlichen Schritten gegen Aerodom und deren Muttergesellschaft Vinci Airports zu warnen.
Das Projekt ist Teil der Neuverhandlung des Flughafenkonzessionsvertrags, der bis 2060 gültig ist und Gesamtinvestitionen von rund 2,155 Milliarden US-Dollar umfasst. Im Rahmen dieser Vereinbarung leistete Vinci eine Vorauszahlung von 775 Millionen US-Dollar, die für die Finanzierung strategischer Flughafeninfrastrukturprojekte im Land bestimmt ist.
Kontext
Im August 2025 führten Präsident Luis Abinader und Führungskräfte von Aeropuertos Dominicanos Siglo XXI (Aerodom) den Spatenstich für das neue Terminal am internationalen Flughafen Las Américas (AILA) durch. Das Projekt umfasst ein Terminal mit einer Kapazität von 4 Millionen Passagieren jährlich, ein 50.000 Quadratmeter großes Vorfeld, Stellplätze für 13 Flugzeuge und rund 900 neue Parkplätze. Damit wird es für die kommenden Jahrzehnte die wichtigste Flughafeninfrastruktur von Santo Domingo darstellen.
Im Gegensatz zu anderen Flughafenerweiterungen im Land steht dieses Projekt in direktem Zusammenhang mit den vertraglichen Verpflichtungen eines internationalen Konzessionsnehmers.
Was die Zahlen aussagen
Laut Angaben der Zentralbank der Dominikanischen Republikwurden im Jahr 2025 rund 19,6 Millionen Passagiere im nationalen Flughafensystem abgefertigt. Davon entfielen etwas mehr als 5 Millionen Passagiere auf den internationalen Flughafen Las Américas (AILA), womit er seine Position als zweitwichtigster Flughafen des Landes, gleich nach dem internationalen Flughafen Punta Cana, behauptete.
José Ignacio Paliza, Minister des Präsidialamtes, bestätigte, dass die Regierung bei der französischen Botschaft eine formelle Beschwerde wegen der Verzögerung beim Baubeginn eingereicht hat. Er merkte an, dass „die Ausführung nicht gemäß dem mit Aerodom und Vinci Airports vereinbarten Zeitplan voranschreitet“, was einen ungewöhnlichen Präzedenzfall in der Beziehung zwischen dem dominikanischen Staat und einem internationalen Konzessionsnehmer darstellt.
Direkte Auswirkungen auf Arbeiten und Projekte
Aus technischer und bautechnischer Sicht zeigt der aktuelle Projektstand eine Diskrepanz zwischen Planung und Ausführung. Bei Flughafenprojekten dieser Größenordnung entfallen in den ersten 12 bis 18 Monaten typischerweise 20 bis 30 % des Gesamtbudgets auf Erdarbeiten, Fundamente und Rohbauten. In diesem Fall belaufen sich die Kosten auf 50 bis 75 Millionen US-Dollar, ohne dass bisher sichtbare Gebäude entstanden sind.
Auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und der eigenen Beobachtungen der Regierung lassen sich die Fortschritte und Rückschläge von Vinci bei AILA wie folgt zusammenfassen:
Gemeldeter Fortschritt:
- Der Abriss der bestehenden Gebäude im für das neue Terminal vorgesehenen Bereich begann im Juni 2025.
- Vorläufige technische Untersuchungen des Geländes und grundlegende Anpassung des Gebiets.
- Eingriffe in Parkplätze, Erweiterung und Umstrukturierung von Parkflächen.
- Das Unternehmen kündigte Investitionen von mehr als 30 Millionen US-Dollar in Umbau- und Anpassungsarbeiten am bestehenden Flughafen an.
Von den Behörden gemeldete Verzögerungen:
- Keine im Bau befindlichen Bauwerke im Bereich des neuen Terminals.
- Es sind keine Anzeichen für einen Beginn von Fundamentarbeiten oder großflächigen Bauarbeiten erkennbar.
- Fehlende klar erkennbare Bauphase Monate nach dem Start-up-Ereignis.
- Abweichung zwischen dem vertraglich vereinbarten Zeitplan und der tatsächlichen Projektdurchführung.
- Konzentration der Arbeiten auf sekundäre Bereiche, während die Hauptarbeiten in der Vorbereitungsphase verbleiben.
Dieser Unterschied zwischen Teilfortschritten und strukturellen Verzögerungen erklärt, warum die Regierung ihre Forderungen verschärft und sich von technischen auf diplomatische und juristische Maßnahmen ausgeweitet hat. Laut Zentralbankprognosen wird der Bausektor im Jahr 2025 voraussichtlich rund 13 % des BIP der Dominikanischen Republik ausmachen. Dies bedeutet, dass ein Projekt dieser Größenordnung direkte Auswirkungen auf Immobilieninvestitionen im Zusammenhang mit strategischer Infrastruktur und die Entwicklung des dominikanischen Immobilienmarktes im Großraum Santo Domingo hat.
Mögliche rechtliche Probleme
Die Drohung von Präsident Luis Abinader, den Fall vor Gericht zu bringen, sollte Vinci Airports den vereinbarten Zeitplan nicht einhalten, eröffnet eine neue Dimension im Management von Projekten im Rahmen internationaler Konzessionen. Über diesen konkreten Konflikt hinaus schafft der Vorfall einen Präzedenzfall für die Überwachung von Investitionen in kritische Infrastruktur. Sollten die Verzögerungen anhalten, wären die Folgen nicht nur vertraglicher, sondern auch wirtschaftlicher Natur und könnten sich auf Kosten, Finanzierung und die Planung künftiger strategischer Projekte auswirken.
Sie könnten auch interessiert sein an:




